Große Schlachten brauchen große Reden

„Die Magier stärkten Eure Waffen.
Die Priester gaben Euch den Segen des Lichtes.
Die Paladine lassen Euch an ihrer Aura der Tapferkeit laben.

Doch all das ist nichts! DAS IST NICHTS, OHNE EUCH!
Seht Euch an! Ja, schaut an Euch herab! Seht Eure Arme, seht Eure Hände, seht Eure Waffen!
Ihr habt Rüstungen und Zauber und Waffen und Hände zu töten. Und doch ist das alles NICHTS.“

Die Augen des Kriegers funkeln gefährlich, und so mancher in der ersten Reihe des Heeres, nah genug jede einzelne Regung auf dem Gesicht des Generals wahrzunehmen, zuckt zusammen bei diesem agressiven Blick.

„Was, so frage ich Euch, bringen uns all die Werkzeuge, wenn wir nicht bereit sind zu kämpfen? WAS BRINGEN SIE UNS?“

Der General lässt seinen Blick über die Männer und Frauen seines Regiments gleiten. Sein Atem ist langsam und doch sein ganzer Körper angespannt voller freudiger Erregung auf den Kampf der ihnen bevorsteht.

„NICHTS! Sie bringen Euch nichts, wenn der Wille zu töten nicht stark. Sie bringen Euch gar nichts, wenn Ihr nur eine Sekunde zögert ob der Schmerzen die Ihr dem Feind zufügt.Sie bringen Euch nichts, wenn Ihr nicht gewillt seid gnadenlos zuzuschlagen. Ja, ich will dass Ihr alle Gnade und alle Skrupel hinter Euch lasst!“

Wie durch ein Zeichen kommt Wind auf und verwirbelt das Haar des Generals wie Feuerszungen. Für einen kurzen Moment scheint er kein Mensch aus Fleisch und Blut sondern ein dem Nether entstiegener Teufel.

„Ihr glaubt wir haben die Dämonen besiegt? Ihr glaubt wir haben sie mit dem Lichte der Barmherzigkeit und der Güte des Lichts besiegt! HA! Ich sage das ist gelogen. Ich sage wir haben sie besiegt durch die Dämonen unserer selbst!“

Sein Pferd scharrt wild im Boden. Es spürt die Kampfeslust des Reiters, es spürt den Zorn und die Wut die sich ausbreitet an diesem Ort. Und auch die Krieger spüren es, wie ein Kribbeln in der Luft.

„Und ich sage Ihr sollt Euch lösen. Löst Euch von allem was Euch zurück hält. Was gleich kommen wird und was Ihr tun werdet, hat nichts mit Eurem bisherigen Leben zu tun. Und wenn das alles vorbei ist, wenn wir zwischen den Leibern der erschlagenen Feinde stehen, dann wird es zur Vergangenheit und soll Euch nicht weiter scheeren! Kein Priester nimmt Euch für Eure Taten die Beichte, denn Ihr werdet sie nicht beichten müssen!“

Selbst schon fast in Rage reisst er die Arme empor und lacht leise. Seine Erscheinung mächtig und furchteinflößend. Seine Worte tropfen geradezu von Blut und Gewalt. Und doch, so zwiespältig es sein sollte, so greift es langsam über. Die Reihen werden unruhig und der ein oder andere ruft seine Zustimung. Und trotz der Kälte der Nacht liegt eine aufwühlende Wärme in der Luft. Es ist als würde jemand ein Feuer entfachen.

„Wir sind heute hier um Schmerzen und Qualen über unsere Feinde zu bringen und sie zu vernichten.
HEUTE … wird Euer Wille zu Töten Euer Glaube!
HEUTE … werden Eure Hände zu heiligen Symbolen der Kraft!
HEUTE … wird das Blut unserer Feinde zum Weihwasser unseres Glaubens!
HEUTE … werden WIR die Dämonen sein!“

Sein Gesicht vollkommen verzerrt und von der Wut entstellt, eine furchtbare Fratze. Das Schwert gen Himmel gerichtet blickt er seinen Truppen an. Die Männer und Frauen die ihm absolute Treue und Loyalität schworen.

„Was sehe ich also vor mir? WAS SEID IHR?“

Stille …

Langsam nickend, macht er eine weit ausschweifende Geste mit dem Arm und lässt sein Schwert durch die Luft gleiten.

 „WAS?!“

Sein Schrei durchpflügt die Nacht und die Herzen. Doch noch immer …
Stille …
Der General reitet langsam die Reihen seiner Männer entlang, einem jeden in die Augen schauend. Leise fragt er es immer wieder:

„Was seid Ihr? Was seid Ihr? Hm? Was seid Ihr?“

Dann, ganz am Ende der Reihe tritt ein junger Mann hervor. Noch recht unerfahren scheint er, seine Rüstung eine Nummer zu groß, das Schwert wiegt schwer in seiner Hand. Zwei Schritte geht er vor und blickt dem General in die Augen. Dieser hält sein Pferd an, wartet.

„Wir sind die Dämonen unserer Feinde, Herr General.“
„Sag es laut, Junge.“

Der Junge zögert kurz, sein Respekt vor dem General und dem ganzen Ereignis merklich.

„Wir sind Dämonen.“
„Sag es LAUT“
„Wir sind Dämonen!“
„LAUTER!“
„WIR SIND DIE DÄMONEN!“
„LAUTER!!!!“

Und aus voller Kehle brüllt es der junge Krieger heraus.

„DÄMONEN!!!!“

Sein Körper bebt, seine Muskeln sind angespannt und die Augen funkeln wild. Der General erwiedert den Blick mit einem breiten Grinsen.

„Muss ein kleiner Junge Euch großen Kriegern sagen was Ihr heute seid? Was Ihr heute für unseren Feind sein werdet? Muss ich etwa mit diesem kleinen Jungen alleine in die Schlacht reiten?“

Ein Raunen geht durch die Menge und verneinende Rufe erschallen.

„Also, ein letztes Mal frage ich Euch, was seid Ihr?“

Obwohl er die Frage nur leise, kaum hörber sprach, kam die Antwort ohrenbetäubend zurück. Sein ganzes Heer, aufgebracht und in Zorn, die Loyalität gegenüber ihrem General herausbrüllend, ihre Seele ihm in die Händ legend ruft es ihm zu:

„DÄMONEN!“
„Dann zeigt unseren Feinden, wie Dämonen kämpfen!“

Im Gewirr der Rufe und Schreie der Krieger lacht der General freudig und reisst sein Schwert erneut empor. Die Männer tun es ihm gleich und über die Weiten des Brachlandes erschallt der Kampfschrei des Menschenheeres. Der Ruf der Dämonen. Den heute Nacht würden sie kämpfen, als seien sie der Hölle entsprungen. Heute Nacht würden sie kämpfen als hätten sie nie eine Seele gehabt. Die heutige Nacht würden sie niemals vergessen und gleichzeitig niemals darüber sprechen. Denn selbst wenn sie es sich wünschen würden, so würde kein Priester dieser Welt ihnen, für das was sie diese Nacht tun würden, die Beichte abnehmen.

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