Vorgeschichte: Thiago Dumas

Thiago Dumas

Sohn eines Landarbeiters und einer Zigeunerhure wurde er in einem nächtlichen Intermezzo für ein paar Kupfermünzen gezeugt und 9 Monate später in einem dreckigen Viehwagen während der Fahrt auf einer holprigen Straße in Sembia geboren. Sobald er groß und stark genug, entschied seine Mutter sich dazu ihn an einen dale’schen Landbesitzer „weiter zu gegeben“. Dies bedeutete eine anständige Prämie für den Jungen Tag und Nacht arbeiten für ein Dach über dem Kopf und karges Essen.

Mit 14 entlies ihn der Landbesitzer, da er zu aufmüpfig wurde und als Langfinger bei der Belegschaft verschrien. Er schlug sich als Wanderarbeiter in den Dales durch. Im Winter wurde es schwieriger, da blieb ihm nicht viel übrig als sich durchzubetteln und zu stehlen.

MIm Norden der Dales traf er zwei Jahre später auf ein paar andere Wanderarbeitern, welche ihm von den tolle Möglichkeiten der Stadt Zenthil Keep erzählten. Das fand er interessant. Fast so interessant wie diese Frau Namens Suzanna Jimenez. Ebenso eine Wanderarbeiterin, die jedoch durch ihre Schönheit es meist leichter hatte als die anderen. Er verliebte sich sofort in sie und schloß sich treudoof der Gruppe an.

Jimenez zeigte ihm – wie allen anderen auch – die kalte Schulter, nahm jedoch seine kleinen „Geschenke“ immer wieder an. In Zenthil Keep angekommen arbeitete er ebenso zuerst als Arbeiter auf den Felder, ging jedoch Nachts auf Achse, um für Jimenez Schmuck und dergleichen zu stehlen. Mit der Zeit mehrte sich ihr Wohlstand, seine Besessenheit zu ihr und zugleich seine Verzweiflung.

Langsam aber sicher wurden bestimmte Personen auf ihn aufmerksam. Irgendwann bestahl er dann den falschen Mann und dieser revanchierte sich entsprechend. Thiago wurde von Jungs der ganz üblen Sorte aufgesucht, zusammengeschlagen und weggeschleift. Sie verkauften ihn wenige Tage später zusammen mit anderen „irregeleiteten Individuuen“ an die Drow. In und um Zenthil Keep herrscht freier Handel und dies schließt natürlich alle – auch die von anderen nicht so beliebten – Rassen mit ein.

Die Drows namen ihn mit zu einer Art Außenposten, bzw. Farm. In die Stadt der Drow erhielt er keinen Zugang, da er im Grunde ja nur Vieh für sie war. Und wie Vieh wurde er gehalten und zur Arbeit gepeitscht. Wieder Feldarbeiter, nur eben unter Tage und noch schlechteren Bedingungen.

Seine Qualitäten wurden irgendwann jedoch erkannt und er erhielt eine einfache Einweisung in der Art wie Drow ihre Probleme lösen. Jedoch nur, um in einem der vielen Intrigenspiele als Bauernopfer zu dienen. Wie geplant wurde er ertappt. Vor der Befragung durch die Priester verhalfen die Intriganten ihm unbemerkt zur Flucht. Eine Hetzjagd wurde inszeniert und ihm bewußt die Flucht ermöglicht, um zu verhindern dass er befragt werden konnte. Denn auch Toten kann man Antworten entlocken. Deshalb war es am sichersten, ihn einfach verschwinden zu lassen.

Tagelang irrte er durch die Underdark. Fast wahnsinnig und halb verhungert fand ihn eine Gruppe Zwerge. Diese namen ihn – misstrauisch aber doch irgendwie naiv – mit. Mehr nach dem Motto: Wer ein Feind der Drow ist ihr Freund. Sie brachten ihn zurück an die Oberfläche und er hatte nur ein Ziel: Zurück nach Zenthil Keep zu Suzanna. Er hatte sie sich in all den Tagen des Wahnsinns und der Sklaverei zu einem blütenreinen Unschuldsengel, zu seinem Engel der Erlösung hochstilisiert. Die Zwerge gaben ihm ein paar Klamotten und was zu essen mit auf den Weg und wünschten ihm Glück, möge er doch Weisheit erlangen und nicht mehr Frauen hinterher jagen, sondern lieber dem Erz und Gold der Tiefen.

Mit seinem Wahn folgte ihm auch etwas anderes aus der Underdark. Ein Schatten, pechschwarz und das Tageslicht scheuend. Ein Schatten der ihm zuerst gefolgt war in der Absicht ihn zu verschlucken. Und später aus Neugier. Und nun labte er sich an Thiagos wirren Geist und wartete geduldig.

Ohne Zwischenfälle erreichte Thiago Zenthil Keep und musste feststellen, dass seine ärmliche Hütte längst jemand anderes gehörte. Auch sein Arbeitgeber wollte nichts mehr von ihm wissen. Suzanna Jimenez Anwesen hatte sich mittlerweile vergrößert und in ihrem Garten blühten die Kirschbäume. Sie lies ihn ein und zu sich kommen. Als sie jedoch sah wie ärmlich und heruntergekommen er war, und ohne Geschenk, warf sie ihn wieder raus.

Er glaubte sich schon in einem dieser klassischen, traurigen Geschichten, in denen die Geliebte nur Wert auf seine Geschenke legte. Einen Tag später fand ihn jedoch ein gut gekleideter Diener in einer der 24h/7 Kneipen und führte ihn wieder zu Suzannas Anwesen. Er wurde gebadet, angekleidet und zu ihr geführt. Sie entschuldigte sich mit blumigen Worten, berührte ihn sanft an der Schulter, sprach leise zu ihm ins Ohr und wenig später war es geschafft: Er war erneut Sklave. Nun eben ihr Sklave.

In den kommenden Tagen bat sie ihn immer und immer wieder um kleine Gefälligkeiten. Brech dort ein, hole dort dies, schau in diesem Haus des Nachts nach jenem, etc. Er sollte ihr keine Geschenke bringen, sondern Informationen.

Thiago war so glücklich wie noch nie Zuvor. Nicht nur über ihre Nähe, sondern auch gutes Essen, Kleidung, ein weiches Bett und all die anderen Annehmlichkeiten die er so nie erlebt hatte. Oft schlich er sich nicht nur in fremder Leute wohnungen, sondern auch in ihre Gemächer, wenn sie nicht da war. Roch an ihrer Kleidung, legte sich auf ihr Bett oder setzte sich einfach in ihren Lieblingsstuhl vor dem großen Spiegel, mit all den Fläschchen, Kämmen, Pudern und anderen Dingen deren Nutzen er nicht einmal erahnen konnte.

An einem Abend schlich er sich erneut in ihr Gemach und wurde überrascht. Suzanna Jimenez kam in Begleitung eines Fremden. Zuerst glaubte Thiago an einen Liebhaber, doch die Konversation war zu hitzig, handelte von Geschäften, von Problemen, von Indiskretion. Einmal drehte sich Suzanna weg vom Fremden und blickte in Richtung Schrank, in welchem sich Thiago versteckte. Ihm stockte das Herz, es schien als würde sie ihn sehen. Ihre Augen starrten ihn an, dann fiel sie um. Mit dem Dolch des Fremden im Rücken. Doch der Fremde war weg.

Bitterlich weinte Thiago und trauerte um seine geliebte Suzanna. Eine halbe Ewigkeit verging und sein so schon recht fragiler Geist drohte zu zerbrechen, vollends zusammenzufallen. In diesem entscheidenden Moment erhob der Schatten das Wort und sprach zu ihm. Unhörbar, nur in Thiagos Geiste fand diese Konversation statt. Und sie dauerte lange, sehr lange.

Am nächsten Tag war der Fremde tot. Und Thiago kein Fremder mehr. Er begann systematisch Suzannas Kontakte aufzusuchen, zu recherchieren. Er begann selbstständig zu handeln und zu denken. Ein Ruck ging durch die intriganten Ränge der zenthischen Machtpersonen. In kürzester Zeit legte Thiago – nicht zuletzt auch durch Suzannas „Vorarbeit“ – eine Blitzkarriere hin.

Immerzu war sein Geist im Zwiegespräch mit dem Schatten und in Trauer um seinen gestorbenen Engel.

Immer mal wieder werde ich die ein oder andere Vorgeschichte eines alten Charakters als Anregung für andere posten.

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